Mapping

Eine Strategie zur Visualisierung von Prozessen

Luise Marbach

Das Mind-Mapping (nicht zu verwechseln mit Mental Maps1) geht in seinen Ursprüngen auf den britischen Wissenschaftsjournalisten und Mentaltrainer Tony Buzan zurück und bezeichnet eine kognitive Methode, die zur Erschließung und visuellen Darstellung eines Themengebietes genutzt werden kann. Ausgehend von einem Schlüsselwort kann mit Hilfe einer Mind-Map ein komplexer Themenzusammenhang assoziativ in Form einer rhizomartigen Vernetzung und Verästelung aufgeschlüsselt und strukturiert werden. Die dabei entstehende Karte lässt sich im Idealfall nicht nur als inhaltliches Ergebnis einer Gruppendiskussion oder eines Workshops lesen, sondern auch als eine Prozess-Landkarte, die die Entwicklungen der Gruppe während des Prozesses widerspiegelt.

Als eine Technik der Visualisierung und Strukturierung kann das Mapping auf unterschiedliche Weise im Bildungsbereich und innerhalb von Gruppenprozessen angewendet werden. Die Gruppenarbeit an einer gemeinsamen Mind-Map fordert von allen Teilnehmenden Offenheit und Bereitschaft, sich auf einem nicht vorstrukturierten Weg Themengebiete und ihre Verbindungen zu erarbeiten, und bietet dabei gleichzeitig die Möglichkeit, unbekannte und ungeahnte Zusammenhänge neu zu erkennen.

Auch bei den Bildungsformaten des Dialog der Kulturen und des Vostok Forums wurde damit begonnen, mit Hilfe des Mappings Diskussionen und Gruppendynamiken zu nutzen und zu dokumentieren. Nicht immer ist das Endprodukt eines Mappings aber auch für Außenstehende nachvollziehbar und eingängig. Diese Erfahrung machten die Teilnehmer_innen des Vostok Forums 2010, als die Arbeitsgruppe »Freiheit versus Sicherheit« ihre Mind-Map als Ergebnis ihres Workshops vorstellte. Das Verständnis für die vorgestellte Karte reichte von völliger Ablehnung bis hin zu großer Begeisterung. Eine sehr kontroverse, aber auch spannende und produktive Diskussion entspann sich zwischen den Teilnehmer_innen des Forums, bei der insbesondere durch das Unverständnis für die gezeigte Map die Frage nach der eigenen Erwartungshaltung an die gemeinsame Bildungsarbeit und der unbedingten Produktion weitervermittelbarer Ergebnisse aufgeworfen wurde.

1 Die kognitive Karte ist die vereinfachte, subjektive, mentale Repräsentation eines geographischen Raumes bzw. von mehrdimensionaler komplexer Realität.