Die AG Russland und die Humanistische Jugendbewegung Murmansk

Die Arbeitsgruppe (AG) Russland war ein überparteiliches, offenes und sich ständig erweiterndes Netzwerk aus Akteur_innen aus ganz Deutschland, das mehr als zehn Jahre lang politische, kulturelle, künstlerische und soziale Projekte durchgeführt hat. Sie war Teil des Jugendbildungsnetzwerkes bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. In ihrer heutigen Form ist sie gegenwärtig als AGRU formal mit der RLS Sachsen assoziiert. Die AG kooperiert mit verschiedenen Partner_innen in Russland und Deutschland. Wichtig ist ihre hierarchiefreie und offene Mitgliederstruktur: Wer aktiv wird, ist Teil der AG. Gemeinsam mit der Humanistischen Jugendbewegung Murmansk trug sie ideell und organisatorisch u.a. Veranstaltungen wie den Dialog der Kulturen, das Vostok Forum, die Kronstadt Konferenz sowie die platforma. Für die in Nordwestrussland angesiedelten Projekte war die Humanistische Jugendbewegung Murmansk die maßgebliche Partnerorganisation in Russland. Seit 2003 engagierte sie sich in zahlreichen Jugendbildungsprojekten für die Vermittlung humanistischer Werte wie Toleranz, Solidarität und demokratisches Grundverständnis besonders unter Jugendlichen. Aktionen gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements sowie Forschungs- und Aufklärungsprojekte waren wesentliche Eckpfeiler ihrer Arbeit.

Gemeinsames Anliegen aller über die Jahre beteiligten Aktivist_innen und Künstler_innen ist der fruchtbare Austausch zwischen Menschen, Netzwerken und Gruppen in Russland, Osteuropa und Deutschland sowie der Ausbau und die Weiterentwicklung gemeinsamer Projekte. In Deutschland soll über die Situation in Russland informiert und auf die Gemeinsamkeiten bestimmter Problemlagen hingewiesen werden. In der heute länder- und kontinenteübergreifenden Projektkooperation sind die gleichberechtigte Zusammenarbeit sowie gemeinsame Bildungs- und künstlerische Prozesse von besonderer Bedeutung. Die Auseinandersetzung mit kapitalistischen, undemokratischen und patriarchalen Verhältnissen sowie Umweltzerstörung, das Nachdenken über Alternativen in einer funktionierenden Zivilgesellschaft fanden Ausdruck in konkreten Projekten, von denen das Vostok Forum, das Kultur- und Bildungsfestival Dialog der Kulturen und die platforma die umfangreichsten und wegweisendsten gewesen sind. Jugendliche und junge Erwachsene aus u.a. Russland, Deutschland, Polen, Serbien und der Ukraine haben daran teilgenommen. An der platforma11 waren erstmals auch Künstler_innen und Aktivist_innen aus Ägypten, Israel, Ungarn, Frankreich, Spanien und den USA beteiligt.

Inzwischen haben sich die Bedingungen der Zusammenarbeit zwischen den Partnerorganisationen stark verändert. Aufgrund starken politischen Drucks hat sich die Humanistische Jugendbewegung Murmansk aufgelöst. Die kritische Reflexion der Rolle als »Arbeitsgemeinschaft Russland« in einem bestimmten Förderkontext hat auch im deutschen Netzwerk zu Veränderungen geführt. Auf eine geografische Bezeichnung der AG wird seit geraumer Zeit verzichtet, um eine eurozentristische Perspektive zu vermeiden, nationalstaatliche Konzepte nicht zu reproduzieren und den veränderten politischen Bedingungen im sogenannten postsowjetischen Raum Rechnung zu tragen. Zudem beschränken sich die Kooperationen des inzwischen AGRU genannten Netzwerkes nicht mehr nur auf Partnerinnen und Partner aus Russland.

Zu den Hintergründen der Auflösung der Humanistischen Jugendbewegung Murmansk vgl. die Artikel in

– der Jungle World (externer Link)

– und dem Neuen Deutschland (externer Link – zur Seitenmitte herunterscrollen)