Die platforma

Mit der platforma11 wurde seit dem Jahr 2011 ein Veranstaltungsformat organisiert, das im Kontext der Dialog- und Vostok-Prozesse den Aspekt des Austauschs intensivierte. Ausgehend von der Idee eines »Rücktauschs« lud das Netzwerk im Sommer 2011 über 50 Künstler_innen, Musiker_innen, Theatermacher_innen, Literat_innen, politische Bildner_innen und Aktivist_innen, Kurator_innen und Theoretiker_innen aus Deutschland, Russland, Ost- und Westeuropa sowie Ägypten und Israel nach Leipzig und Markkleeberg ein. In einer internationalen Werkstatt-, Netzwerk- und Ausstellungswoche wurde gemeinsam über Kunst, Politik und Bildung sowie deren Verhältnis zueinander nachgedacht und das Zusammenspiel in zahlreichen Workshops praktiziert. Die Projektidee einer an die Open-Space-Methode angelehnten, prozessorientierten Arbeitsweise führte die Konzeption des Dialogs der Kulturen sowie des Vostok Forums in einem erweiterten Rahmen fort.

Im Unterschied zu den anderen Veranstaltungsformaten verzichtete man auf einen vorab festgelegten Themenfokus. Die Schwerpunkte wurden vielmehr in einem aktiven Kommunikationsprozess im Vorfeld der Werkstattwoche erarbeitet. Ausgehend von individuell eingebrachten Fragen, Ideen und Ansätzen der einzelnen Teilnehmer_innen bildeten sich Arbeitsgruppen, die sich mit Strategien der Selbstermächtigung und Selbstorganisation, Möglichkeiten unabhängiger, alternativer und nicht kommerzieller Projektarbeit sowie der Entwicklung neuer Lösungsansätze für eine künstlerische Praxis auseinandersetzten. Der öffentliche Raum und Stadtstrukturen bildeten dabei die Diskussionsgrundlage über Potenziale subkultureller Entfaltung im internationalen Vergleich. Hieraus ergaben sich mögliche thematische Komplexe über strukturell bedingte Phänomene des städtischen und peripheren Raumes, wie z. B. Segregations- und Gentrifizierungsprozesse, Präkarisierung, Migration, Rassismus, Sexismus und Gender-Diskurse.

Anliegen der platforma11 war vor allem ein interdisziplinäres gemeinsames Arbeiten der 25 deutschen und 25 internationalen Teilnehmer_innen, die sich mit ihren jeweiligen Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen in die unterschiedlichen Arbeitsgruppen einbrachten. platforma11 wurde als ein langfristiger Prozess gedacht, welcher in den entstandenen Netzwerken weitergeführt werden sollte. Mit einer erweiterten internationalen Perspektive sollte die platforma das Format Dialog der Kulturen ablösen. Die platforma13 in Woronesch und eine geplante platforma in Israel konnten jedoch nicht umgesetzt werden.